Ein Living Lab verbindet Menschen und Landschaft
Ein RRL Living Lab verbindet einen Ort mit den Menschen, die dort leben oder sich darum kümmern, und den Partnern, die an der Arbeit beteiligt sind. Gemeinsam untersuchen und erproben sie Lebensweisen, die zur ökologischen Erholung der Flächen beitragen. Die betroffenen Menschen gestalten die Fragen, die Arbeit und das gemeinsame Lernen mit.
Grundlage ist der europäische Living-Lab-Ansatz. Hinzu kommt Syntrocietys Definition eines Syntropic Living Lab. Mit dem Namen RRL Living Lab bezeichnen wir die praktische Anwendung dieses Ansatzes auf das Leben auf dem Land und die Pflege der Flächen.
Das Lab umfasst die Flächen, die Menschen vor Ort und ihre Zusammenarbeit. Die RRL-Plattform unterstützt sie, indem sie Pläne, Quellen, Beobachtungen und Nachweise zusammenführt.
Was wir herausfinden möchten
Könnten Menschen, die auf ländlichen Flächen leben und sich darum kümmern, zu deren langfristiger Erholung beitragen? Was würde diese Pflege verlässlich, bezahlbar und auf Dauer möglich machen? Könnte der Austausch von Informationen auch den Verwaltungsaufwand für Bewohner, Fachleute und öffentliche Stellen verringern?
Ein Pilotprojekt würde diesen Fragen in der Praxis nachgehen. Es würde Veränderungen auf den Flächen ebenso untersuchen wie die damit verbundenen Arbeiten, Kosten und Schwierigkeiten. Es sollte den Beteiligten helfen zu verstehen, was funktioniert, was angepasst werden muss und wo sich der Ansatz nicht eignet. Um dauerhafte Veränderungen des ökologischen Zustands der Flächen zu verstehen, wäre eine Beobachtung über längere Zeit nötig.
Was die einzelnen Gruppen beitragen und gewinnen könnten
Eine Person oder Organisation kann mehrere Rollen übernehmen. Eine mögliche Partnerschaft würde vier Gruppen einbeziehen:
- Bewohner, Nachbarn und lokale Initiativen bringen Alltagserfahrung und Ortskenntnis ein und kümmern sich um den Ort, gemeinsam mit Grundstückseigentümern und anderen Menschen, die Verantwortung für die Flächen tragen. Vereine und Freiwillige können helfen, gemeinsame Anliegen zu erkennen. Mögliche Vorteile wären klarere Schritte, Mitsprache bei Entscheidungen und Zugang zu Erkenntnissen, die ihre Umgebung betreffen.
- Fachleute und Unternehmen vor Ort bringen Kenntnisse in Planung, Bau, Landwirtschaft, Instandhaltung und anderen praktischen Arbeiten ein. Sie könnten mit besseren Projektinformationen und klareren Vereinbarungen über Arbeiten, Kosten und Zuständigkeiten arbeiten.
- Forschende und Lehrende helfen, sinnvolle Fragen und praktikable Untersuchungsmethoden auszuwählen, Ergebnisse zu prüfen und deren Grenzen zu erklären. Sie könnten Lernmöglichkeiten in der Praxis und Zugang zu Informationen erhalten, unter vereinbarten Bedingungen und mit entsprechender Einwilligung.
- Behörden und öffentliche Dienste bringen Wissen über öffentliche Aufgaben, örtliche Gegebenheiten und Entscheidungen in ihrem Zuständigkeitsbereich ein. Sie könnten Informationen mit klareren Zusammenhängen erhalten und erkennen, welche Teile eines Verfahrens unnötige Arbeit verursachen.
Bevor jemand teilnimmt, würden die Beteiligten vereinbaren, was zu jeder Rolle gehört und wie viel Zeit oder Unterstützung zur Verfügung steht.
Die Flächen und ihre langfristige Pflege
Verantwortung für die Pflege eines Ortes zu übernehmen heißt, sich dauerhaft um ihn zu kümmern. Dazu gehört, vereinbarte Arbeiten auszuführen, umgesetzte Maßnahmen instand zu halten, Probleme zu erkennen und auf veränderte Bedingungen zu reagieren.
Zunächst gilt es festzuhalten, um welche Flächen es geht, wer sie nutzen darf und wer dafür verantwortlich ist. Dokumentiert wird ihr aktueller Zustand: Boden, Wasser, Pflanzen, Tierwelt, Lebensräume und relevante Risiken. Anschließend wird vereinbart, was geschützt oder verbessert werden soll. Zur ökologischen Erholung können der Schutz bestehender Lebensräume oder weniger Eingriffe ebenso beitragen wie Pflanzungen oder Baumaßnahmen.
Der Plan sollte die Pflege der Flächen mit praktischen Bedürfnissen verbinden, etwa Wasser, Abwasser, Energie, Schutz vor Waldbränden und Erreichbarkeit. Vorschläge für Wohnraum gehören, wo sie relevant sind, in diesen größeren Zusammenhang.
Wer welche Entscheidungen trifft
Die Beteiligten würden vereinbaren, wer die Arbeit koordiniert, wer sie ausführt, wer sie überprüft und wie mit Meinungsverschiedenheiten umgegangen wird. Bewohner und Nachbarn sollten dabei helfen, örtliche Anliegen zu erkennen. Forschende sollten Methoden und Ergebnisse hinterfragen können. Öffentliche und wirtschaftliche Interessen sollten erkennbar sein.
In Portugal entscheiden die câmara (Kommunalbehörde) und andere öffentliche Stellen im Rahmen ihrer gesetzlichen Befugnisse. Pläne zum Wohnen, Bauen, zur Flächennutzung und zum Einrichten der Versorgung benötigen die Prüfungen und Genehmigungen, die am jeweiligen Ort gelten. Die Teilnahme an einem Pilotprojekt, die Verbesserung der Flächen oder vollständige Projektunterlagen erlauben für sich genommen weder das Bauen noch das Wohnen vor Ort. Sie machen auch ein bestehendes Bauwerk nicht rechtmäßig.
Wenn eine unabhängige Prüfung nötig ist, sollte sie von einer anderen Person als der für die Arbeit verantwortlichen durchgeführt werden.
Ein mögliches Pilotprojekt in fünf Schritten
- Eine gemeinsame Frage finden. Besprechen, um welchen Ort es geht, wer betroffen ist und was die einzelnen Beteiligten lernen möchten. Feststellen, welches Wissen und welche Zuständigkeiten noch fehlen.
- Das Vorgehen vereinbaren. Rollen, realistische Zeit- und Kostenansätze, Zugang zu Informationen und Entscheidungswege festlegen. Entscheiden, unter welchen Bedingungen sich eine Fortsetzung des Pilotprojekts lohnen würde.
- Eine Bestandsaufnahme machen. Verfügbare Quellen und Beobachtungen zusammentragen. Messungen auswählen, die die Beteiligten wiederholen können, bei Bedarf mit fachlicher Hilfe. Lücken sichtbar lassen.
- Die Arbeit erproben und begleiten. Vereinbarte Aktivitäten ausführen, sobald die nötigen Entscheidungen vorliegen. Veränderungen, Instandhaltung, Aufwand und Schwierigkeiten ebenso dokumentieren wie ermutigende Ergebnisse.
- Gemeinsam auswerten. Die Erfahrungen aller vier Gruppen vergleichen. Entscheiden, was geändert, fortgesetzt oder beendet wird, was geteilt werden kann und wer sich weiter um den Ort kümmert.
Umfang und Tempo würden vom Ort und den Beteiligten abhängen. Manche Fragen werden sich erst nach dem Ende des Pilotprojekts beantworten lassen.
Ein Beispiel: Regenwasser und Boden
Angenommen, Bewohner bemerken, dass bei starkem Regen Wasser von einem Hang abfließt und Boden mitreißt. Eine forschende Person hilft, eine einfache Methode zur Beobachtung des Abflusses auszuwählen. Eine örtliche Fachkraft prüft mögliche Maßnahmen und deren Auswirkungen auf benachbarte Flächen. Die zuständigen öffentlichen Dienste befassen sich mit den Fragen in ihrem Aufgabenbereich.
Die Bewohner dokumentieren, was getan wurde, und beobachten, was danach geschieht. Angaben zum Niederschlag, Fotos vom selben Standort und Aufzeichnungen zur Instandhaltung helfen, die Beobachtungen nutzbar zu machen. Nachbarn können auf Auswirkungen jenseits der Grundstücksgrenze hinweisen.
Dies ist ein Beispiel, kein bestehendes Pilotprojekt. Eine einzige Regenzeit würde nicht beweisen, dass die Maßnahme eine Verbesserung verursacht hat. Auch das Wetter, die vorherigen Bedingungen und andere Veränderungen spielen eine Rolle.
Aus Nachweisen lernen, auch bei Rückschlägen
Geplantes bleibt von dem getrennt, was tatsächlich getan oder beobachtet wurde. Eine erhoffte Verbesserung ist ein Ziel. Ein berichtetes Ergebnis braucht Beobachtungen oder andere Nachweise. Festgehalten wird, woher Informationen stammen, wann und wie sie erhoben wurden. Schätzungen, fehlende Informationen und unterschiedliche Deutungen sollten erkennbar bleiben.
Ähnliche Beobachtungen werden über die Zeit verglichen. Wenn sich die Methoden ändern, wird dies erläutert. Erkenntnisse zu Boden, Wasser, Lebensräumen und anderen Themen bleiben getrennt, statt zu einer Gesamtbewertung zusammengefasst zu werden. Eine Verbesserung in einem Bereich sollte Schäden in einem anderen nicht verdecken.
Auch enttäuschende Ergebnisse und Meinungsverschiedenheiten gehören in die Dokumentation. Sie helfen den Beteiligten und Menschen an anderen Orten, Fehler nicht zu wiederholen.
Vereinbaren, was geteilt wird
Vor der Erhebung von Informationen wird vereinbart, wofür sie gebraucht werden, wer sie einsehen kann, was veröffentlicht werden darf und wie lange sie aufbewahrt werden. Wenn eine Einwilligung nötig ist, wird sie in einer für die Beteiligten verständlichen Sprache erklärt. Alle sollten wissen, an wen sie sich mit Fragen oder dem Wunsch nach einer Änderung der Vereinbarung wenden können.
Persönliche Angaben, Fotos und genaue Ortsangaben müssen möglicherweise geschützt werden. Um nützliche Erkenntnisse zu teilen, müssen nicht alle Projektdetails veröffentlicht werden. Die Beteiligten könnten eine vereinbarte Zusammenfassung oder Ergebnisse teilen, durch die sich keine Einzelpersonen identifizieren lassen.
Die Vereinbarungen sollten auch für Forschende und andere Partner gelten, die Informationen erhalten, und regeln, was mit ihrem Zugang geschieht, wenn sie ausscheiden.
Die Pflege geht nach dem Pilotprojekt weiter
Vor Beginn der Arbeiten wird vereinbart, wer die Flächen pflegt und Maßnahmen instand hält, wer die Beobachtungen fortsetzt und welche Mittel dafür nötig sind. Es wird festgelegt, was geschieht, wenn jemand ausscheidet, die Finanzierung endet oder die Arbeit hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Eine Auswertung kann zu Nachbesserungen, einem anderen Plan oder zum Ende des Pilotprojekts führen. Auch wenn das gemeinsame Lernen abgeschlossen wird, bleiben praktische Fragen: Wer kümmert sich um den Ort, wer bewahrt die Unterlagen auf und welche Zusagen gelten weiter? Diese Vereinbarungen müssen für diejenigen klar sein, die die Aufgaben übernehmen.
Was noch offen ist und wie du mitwirken kannst
Dies ist ein Vorschlag zur Diskussion. Es gibt weder ein etabliertes kommunales Pilotprojekt noch eine feste Gruppe bestätigter Partner. Bevor es beginnen könnte, müssten ein Ort, die Beteiligten, Zuständigkeiten, Mittel, Unterstützung und ein praktikables Vorgehen vereinbart werden. Ob Begleitung durch RRL oder andere persönliche Unterstützung möglich wäre, hinge davon ab, wer sie zu welchen Bedingungen anbieten könnte.
Du kannst dich als Bewohner, Nachbar, Verein, Fachkraft, forschende Person oder Vertretung eines öffentlichen Dienstes einbringen. Bring einen Ort, eine praktische Frage oder hilfreiches Wissen mit. Nimm Kontakt auf, um deine Idee zu besprechen.